Frage zu Eurer Kurventechnik

A

Anonymous

Zuerst will ich einmal klarstellen, dass ich kein Anfänger bin. Fahre seit '97 Supersportler!

Dennoch hab ich eine Frage an Euch: wie entscheidend ist bei Euch der Zug bzw. Druck am Lenker ?


Ich meine folgendes: nach der Fahrschule fährt man ja Kurven, indem man sich mit dem Bike in die Kurve legt. Nach und nach erfährt man dann aber von diversen Tricks (spät einlenken, am Lenker ziehen, Kopf gerade etc.).

Allerdings gehör ich noch nicht ganz zu den Leuten, die mit dem Knie über'n Asphalt schleifen (Angststreifen ca. 0,5cm
)

So ganz ist mir der Trick auch noch nicht klar. Hab halt etwas Angst, meiner "Süßen" weh zu tun und mich zu schmeißen!


Ziehe/drücke ich so lange am Lenker, bis die gewünschte Schräglage erreicht ist...?!

Allein durch Gewichtsverlagerung klappt das nicht (1,72m / 69kg)

Wäre den erfahrenen von Euch echt dankbar für 'nen Tip!


[ 19. September 2002: Beitrag editiert von: Run JK ]</p>
 

Streethawk

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Bei mir klappt das ganz durch Gewichtsverlagerung und durch Fahren nach Hanging off- Stil. Bei engen Kurvenkombinationen kann man auch mal am Lenker ziehen, ich jedenfalls versuche jegliche Gewaltakte zu vermeiden sondern weich und flüssig zu fahren. Das klappt gut und man ist schnell unterwegs ohne Angststreifen. Aber selbst ohne Hanging off kann man sehr schräg fahren. Ich kenn einen bei dem setzt die Fussraste und der Schalthebel auf weil der noch den alten englischen Stil fährt und entsprechend schräger fahren muss als ich.
Taste dich langsam ran und entwickle den Stil der dir persönlich am besten liegt. Ich kann empfehlen Hanging off und möglichst weich und flüssig zu fahren (ausser beim bremsen) aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Gruss
 

Matte

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Boah, hier eine erschöpfende Antwort zu geben, fällt nicht leicht. Denn steigt eine Kurve an oder fährst Du Kehren talwärts, ist es anders als "normal". Und auf der Rennstrecke ist es wieder anders.

Meist bremse ich sehr spät, fahre schnell in eine Kurve ein und reduziere die Geschwindigkeit noch durch legen der Maschine. Um das Mopped weiter in die Schräglage zu bugsieren, ziehe ich etwas an den Lenkerstummeln, was aber meist nicht nötig ist.
Auf der Straße fahre ich immer den guten englischen Stil, auch wenn mal die Fußrasten anklopfen. Das ist für mich dann das Zeichen, daß ich eigentlich schon 5% über meinem persönlichen Limit fahre, welches ich mir auf öffentlichen Straßen gesetzt habe.
Auf dem Racetrack ist wieder alles anders. Nur dort kann man relativ gefahrlos Kurventechniken trainieren. Hier versuche ich mich im hanging-off und rutsche mit dem Knie auf dem Boden um die Ecke, denn so weiß ich genau, wieviel Spielraum noch nach unten ist. Hier muß ich aber auch nicht oder nur sehr selten nachkorrigieren, denn ich kenne ja die Kurve, also gleich in die Vollen.
Und fährst Du ein Rennen mit, also Competition untereinander, geht es wieder anders. Da ist nix mit spät einlenken und früh an's Gas, denn dann ist ganz schnell jemand innen rein gefahren und Du kannst die Kurve nicht mehr optimal fahren und mußt aufmachen.

Generell kann man aber glaube ich sagen, bloß nicht zu viel Gewichtskraft beim zerren am Lenker einzusetzen. Die Physik setzt da einfach eine Grenze.

Fahr mal in einem Instruktorengeführten Training auf einem winkligen Kurs (Anneau). Schon nach wenigen Runden hast Du es drauf, believe me !
Matte, der auch noch immer übt
 

Bender

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Moin zusammen,
erst mal vorneweg: Die Physik lässt sich nicht ausschalten. Wenn man etwas nicht merkt, heißt das nicht, dass es nicht stattfindet. Ungläubige mögen die folgenden Gedanken ignorieren oder ablehnen. Aber der Physik ist das egal.


Auf das Kurvenfahren bezogen bedeutet das, dass die Einleitung einer Kurve oder die Veränderung der Schräglage (Aufstellmoment mal außer Acht gelassen) nur durch Lenkbewegungen herbei geführt werden kann. Die Gewichtsverlagerung trägt gar nichts zum Richtungswechsel bei. Das liegt daran, dass bei einer Gewichtsverlagerung des Fahrers auf dem Motorrad eine Gegenreaktion hervorgerufen wird und der Gesamtschwerpunkt nicht verlagert wird. Wenn sich die Sozia auf gerader Strecke zur Seite legt, fährt das Motorrad weiter geradeaus. Der Schlenker, den die Fuhre macht, kommt vom Fahrer, der beim Gewichtsausgleich unbeabsichtigt Kräfte in den Lenker einleitet.

Eigentlich fährt ein Zweirad zwar niemals wirklich geradeaus, aber das ist für diese Betrachtung nicht von Bedeutung. Es schlingert immer (meistens unmerklich) mit den Reifenaufstandspunkten um das Lot des Schwerpunktes herum. Um eine Kurve einzuleiten, wird der Lenker in eine Richtung bewegt. Das Vorderrad folgt zunächst dieser Richtung. Da sich der Schwerpunkt des Systems Motorrad/Fahrer der Massenträgheit folgend weiter geradeaus bewegt, fährt der Vorderreifen also unter der Bewegung des Schwerpunktes heraus. Der Schwerpunkt liegt dann außerhalb der Standfläche (Verbindungslinie zwischen den Reifenaufstandspunkten) und die Maschine kippt GEGEN die eingeschlagene Richtung. Dies ist die Einleitung der Schräglage. Man leitet eine Kurve also durch einen Lenkimpuls in die Gegenrichtung ein.

Ist die gewünschte Schräglage erreicht, wird gegengelenkt (also eigentlich in Richtung der Kurve). Und zwar so weit, bis der Lenkeinschlag dem Kurvenradius in Verbindung mit Geschwindigkeit und Schräglage (… und Reifenkontur,…) entspricht. In diesem Gleichgewichtszustand verbleibt man bis eine Veränderung der Schräglage (z.B. Aufrichten am Kurvenende) erforderlich ist. Aufrichten wird durch weiteres Einlenken und eine Erhöhung der Schräglage durch einen Lenkimpuls nach Außen erreicht (Prinzip ist das selbe wie beim Einleiten der Kurve).

Bei leichten und flüssigen Kurvenbewegungen ist die nötige Kraft so gering, dass man gar nicht wahrnimmt, wie man sie ausübt. Bei kleinsten Lenkbewegungen kann sogar einfach nur das Schlingern ausgenutzt werden. Dazu ist nun wirklich keine Kraft erforderlich. Werden die Änderungen der Schräglage heftiger (schnelleres Abkippen oder Aufrichten der Maschine), müssen die Widerstände durch die Kreiselkräfte entsprechend schneller überwunden werden. Dazu braucht man mehr Kraft. Der Widerstand im Lenker ist jetzt deutlich zu spüren.

In der Literatur wird wohl eher die Meinung vertreten, dass der Lenker gedrückt und nicht gezogen werden soll. Eine Begründung dafür habe ich aber noch nicht gefunden. Ich habe beide Varianten ausprobiert und konnte keine funktionalen Unterschiede feststellen. Ziehen hat mir allerdings besser gefallen weil es (so finde ich) eher zur Abstützung des Körpers am Motorrad passt. Weiß jemand wo der Vorteil beim Drücken liegt?

Wozu dient dabei aber die Gewichtsverlagerung? Die Gewichtsverlagerung nach vorn dient der besseren Vorderradführung und die Gewichtsverlagerung zur Kurveninnenseite (im Extremfall Hanging Off) verlagert den Schwerpunkt zur Kurveninnenseite. Damit kann die Schräglage bei gleicher Kurvengeschwindigkeit geringer sein. Man erhält also eine gewisse Schräglagenreserve weil der Reifen erst bei noch höherer Kurvengeschwindigkeit und damit verbundener größerer Schräglage an die Kante kommt, wo die Aufstandsfläche zu Ende ist.

Gruß…
 

tt-tobi

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also-ganz trifft es den punkt nicht-lest einfach ceith code"der richtige dreh Band 2"
und ihr werdet es erklärt bekommen 8)
 

Bender

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Jetzt würde ich schon gern wissen, was an meinem Text nicht stimmt. Vielleicht kannst du es mit deinen Kenntnissen aus dem Buch mal auf den Punkt bringen. Das würde bestimmt noch mehr Leute interessieren. Anfüttern und dann hängen lassen, gilt nicht. ;)

Gruß
 

Streethawk

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Ich finde Hanging off auch auf der Landstrasse sicherer eben weil mit weniger Schräglage gefahren wird, kann auch gar nich mehr anders fahren.

Gruss
 

tt-tobi

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ok-dann mal los

hhm also bender,
erst mal habe ich deinen text noch dreimal gelesen und muss sagen das er 100 prozentig stimmt aber nicht die gestellten fragen alle beantwortet.
ich will nicht weiter darauf eingehen,denn ich bin nicht keith code.
eines kann ich aber noch beantworten ohne ein buch einzufügen:
drücken ist besser, weil es lenken über druckpunkte ermöglicht-dh. das wenn du das rechte lenkerende drückst du dich an der linken fussraste abstützen kannst und somit einen stärkeren lenkimpuls geben kannst(wo/wie stützt du dich beim ziehen ab?).
in dem buch werden die sieben schutzreaktionen beschrieben die man beim moppedfahren zeigt und die immer im gegensatz zu dem stehen was die maschine eigentlich braucht.
eine davon ist die angst vor zu schnellem einlenken-die nämlich rational völlig unbegründet ist-hast du schon mal jemanden stürzen sehen weil er zu schnell eingelenkt hat?
das schnelle einlenken ist eine der hauptfähigkeiten die den anfänger vom profi unterscheidet und die überhaupt erst richtig schnell macht.
wenn du überlegst wie lange du brauchst um einzulenken und die dafür verbrauchten meter dir vorstellst,dann ist das die strecke die zwischen dem ende des bremsens und dem anfang des wiedergasgebens ist.
wenn du diese strecke durch schnelles lenken verkürzt ,kannst du dir jetzt aussuchen ob du später bremsen oder früher gasgeben willst-in jedem falle ist die kurve schneller durchfahren,oder?
wenn du also das nächste mal auf der rennstrecke hergebrannt wirst und du denkst: "wo bremst der denn?"dann bremst der wahrscheinlich gar nicht so viel härter als du,nur dadurch das er schneller einlenkt kann er eben einen späteren einlenkpunkt wählen und dadurch auch einen späteren bremspunkt.

nochmal zum lenken:90 prozent der lenkvorgänge nach dem lenkimpuls die du machst beim durchfahren einer kurve sind überflüssig und du machst sie aufgrund von schutzreaktionen(auch als angst bekannt).
wenn du dich mal darauf konzentrierst nur einmal zu lenken und dann bewusst nicht mehr nachkorrigierst,wirst du merken das das stimmt und du diese für das korrigieren verwendete konzentrationsmenge besser für das gasgeben verwendest.

das ist alles nicht mir eingefallen ,sondern keith code.
ich habe in all den jahren wo ich dieses buch immer wieder in die hand nehme noch nie einen unwahren satz gelesen.

lest es und ihr werdet es wieder und wieder lesen und immer mehr verstehen.
wenn man kein theoretisches wissen hat was will man dann auf der strecke in die tat umsetzen?
aber vor allem lest es um mehr über die 6 anderen schutzreaktionen zu lernen-wie zum beispiel die SR#1:gas-zu-machen/vom gas gehen.

gruß
tt-tobi
 

Sven21

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Nachdem ich hier so ein bisschen mitgelesen habe habe ich 2 fragen.Was ist schnelles einlenken????Und ich kann mir das mit dem ziehen und drücken irgendwie nicht so ganz vorstellen.Fahre seit 3 jahren aber kann mir mal einer erklären was so toll ist das knie am boden zu haben???das bringt es doch nur wenn man diese technik beherscht oder??
 

tt-tobi

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ok-extra für dich sven21:
erst probierst du am besten das mit dem gegenlenken-siehe beitrag von bender.
das das funktioniert erkennst du am besten wenn du mal einhändig fährst und du wirst schnell feststellen das du für eine linkskurve nach rechts lenken musst und umgekehrt(funktioniert auch auf dem fahrrad).
zum knieschleiffen:
wenn du es das erste mal tust ist endlich die stete ungewissheit weg"wie schräg bin ich denn jetzt eigentlich?"-denn dann fühlst du es ganz genau und das beruhigt ungemein.
alles andere kommt dann schon-aber auch dir empfehle ich "der richtige dreh band 2"von keith code.
gruß
tobi
 

Sven21

Donut-Experte
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das mit dem gegenlenken kenn ich und ist mir klar.also ist das drücken bzw. ziehen das gegenlecken?
 

Maj.Worsti

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Bender schrieb:
Moin zusammen,
erst mal vorneweg: Die Physik lässt sich nicht ausschalten. Wenn man etwas nicht merkt, heißt das nicht, dass es nicht stattfindet. Ungläubige mögen die folgenden Gedanken ignorieren oder ablehnen. Aber der Physik ist das egal.
Genau richtig.
Ich könnte es auch nicht richtig erklären, ich mache es einfach, ohne zu wissen, wie.

Klar ist doch wohl jedem, daß man eine Kurve einleitet, indem man in die entgegengesetzte Richtung lenkt.

Ich glaube eher, daß Run JK nach der Technik in Schräglage fragt.

Das hängt meiner Meinung nach zu sehr von dem Fahrwerk und der Fahrweise ab um hier eine allgemeingültige Aussage zu treffen.

Z.B. hatte ich nach einem Tag Renntraining mit der ZXR dicke Unterarme und mit der Kilo merke ich sogar nach 2 Tagen nichts.

das mit dem gegenlenken kenn ich und ist mir klar.also ist das drücken bzw. ziehen das gegenlecken?
:lol:
Durch Lecken habe ich noch keine Kurve eingeleitet... :D

Und NEIN, mit "Ziehen" bzw. "Drücken" ist auch eher das Korrigieren in der Kurve gemeint.

Also: Ich kann Dir auch keinen Rat geben, einfach ausprobieren und üben, üben, üben...

Gruß,
Maj.Worsti
 

Normen

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Schon komisch warum macht Ihr euch immer so viel Gedanken um das Fahren - Rastendruck - Lenker ziehen...usw.. Hab ich nie gemacht und mache ich bis heute nicht - hab auch gar keine Zeit beim fahren an alles Möglich zu denken.

Einfach fahren und gut ist.

Normen
 

Dantina

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Normen schrieb:
Schon komisch warum macht Ihr euch immer so viel Gedanken um das Fahren - Rastendruck - Lenker ziehen...usw.. Hab ich nie gemacht und mache ich bis heute nicht - hab auch gar keine Zeit beim fahren an alles Möglich zu denken.

Einfach fahren und gut ist.

Normen
geht mir genauso.....aber ich glaube auch, dass da die sekunden liegen, oder ist das falsch?
 

Normen

Knieschleifer
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Dantina schrieb:
Normen schrieb:
Schon komisch warum macht Ihr euch immer so viel Gedanken um das Fahren - Rastendruck - Lenker ziehen...usw.. Hab ich nie gemacht und mache ich bis heute nicht - hab auch gar keine Zeit beim fahren an alles Möglich zu denken.

Einfach fahren und gut ist.

Normen
geht mir genauso.....aber ich glaube auch, dass da die sekunden liegen, oder ist das falsch?


Glaube nicht daß wenn man bewußt dauernd überlegt schnell fahren kann - ich denke das ganze hat mit Talent in Verbindung mit möglichstviel Übung zu tun. Und wenn man dann eine gewisse Schnelligkeit hat kommt der Faktor Material dazu.

Normen
 

Bender

Altherrenausfahrer
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Ich habe bei Normens Kommentar auch herzlich gelacht.

Ohne das jetzt auf Normen beziehen zu wollen:
Es gibt auch Leute, bei denen ist der Hintern talentierter als der Kopf. :mrgreen:

Gruß
 
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